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Chorklasse im Fernsehen

02.12.2008

Leichtes Bauchgrummeln hatte die kleine Miriam schon, als sie am Dienstag in die Schule ging. Leute vom Fernsehen hatten sich angekündigt, um zu sehen, was die Jüngsten an der Volksschule in Markt Rettenbach seit September täglich tun: Singen, tanzen, musizieren und so ganz nebenbei die Grundlagen der Musik erlernen. Das ist das Prinzip der Chorklasse, die seit Schuljahresbeginn in Markt Rettenbach erprobt wird.


Statt der üblichen zwei Unterrichtsstunden erhalten die Grundschulkinder der Klasse 1 a vier Stunden Musik pro Woche. „Wir wollen, dass das Singen wieder populär wird“, erklärt Karl Zepnik, Projektentwickler der Chorklassen und künstlerischer Leiter der Musikakademie in Marktoberdorf, die Zielrichtung. „Außerdem profitieren die Kinder in ihren anderen Schulfächern vom Chorklassenunterricht.“ 

„Kommt wir wollen Schnee schieben“, ermuntert Eva Weinacht die Schülerinnen und Schüler. „Und zwar mit einem langen „Schschsch ...“. Spontan folgen die 21 Erstklässer ihrer Aufforderung und räumen pantomimisch den Weg frei. Auch den Dreh mit dem Zähneputzen ohne Zahnbürste haben sie schnell raus. Die Zunge entlang den Zahnreihen trainiert die Gesichtsmuskeln, das zuvor lang gedehnte „Schschsch ...“ fördert Atem und Sprache und koordiniert Sprache und Bewegung. Eva Weinacht hat viele Übungen dieser Art parat, um die Kinder zu lockern und für das Singen vorzubereiten. „Nikolaus, Nikolaus ...“ stimmt sie schließlich in kindgerechter Stimmlage an und alle Kinder lauschen. Doch auch hier geht es nicht nur um das Nachsingen von schönen Melodien. Einzelne Liedpassagen werden mit Bewegung kombiniert, Walnüsse zu kleinen Schlaginstrumenten umfunktioniert und zu bestimmten Passagen eingesetzt. Eva Weinacht: „Die Kinder entwickeln im Chorklassenunterricht eine enorme Kreativität. Alles um sie herum bringen sie zum Klingen. Und selbst die etwas Schüchternen übernehmen nach nur knapp drei Monaten schon die Aufgabe, auch etwas vorzumachen oder vorzusingen.“
 
Derzeit gibt es in Bayern nur zwei Chorklassen an Grundschulen, neben Markt Rettenbach noch in Marktoberdorf. Beide Schulen wurden für das Pilotprojekt „Chorklassen an Grundschulen“ ausgewählt, um zu erforschen, inwieweit Kinder durch diesen erweiterten Musikunterricht wieder verstärkt für die Musik und das Singen begeistert werden können. Ab dem Schuljahr 2009/10 folgen weitere 18 Grundschulen.    Die „Chorklassen an Grundschulen“ ist ein Projekt des Kultusministeriums und des Netzwerks Musik in Bayern. In einer zweijährigen Phase wird das Chorklassenprojekt ausschließlich im Regierungsbezirk Schwaben erprobt und wissenschaftlich begleitet. Für diesen Zeitraum hat das Kultusministerium den Musikunterricht in den Chorklassen von zwei auf vier Stunden erweitert.
Im Fokus der Kamera: Chorklassenkinder aus Markt Rettenbach
 
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