Ein Jubiläumsbericht zum 10. Internationalen Sommerseminar für Drums und Percussion - RHYTHM
24.07.20081990 kamen die ersten Trommler nach Marktoberdorf. Die Bayerische Musikakademie war bekannt für ihre ungewöhnlichen Sommerseminare: ständig auf der Suche nach Lücken im Weiterbildungsangebot stieß man damals auf die Schlagzeuger und Perkussionisten. Die Topleute der Szene lebten alle in den USA und kamen nur zu Tourneen nach Europa, Workshops wurden kaum angeboten.
Ehrgeizig einzigartig
Durch den Kontakt zu Rob Carson, Weltmeister auf der Snare Drum, entstand die Idee Topdozenten aus aller Welt zu einem Seminar zusammenzuführen. Das hatte es bisher europaweit nicht gegeben und auch heute noch ist Rhythm einzigartig. Nirgendwo sonst gibt es diese Konzentration an Weltstars in einem Seminar. Das heißt nicht, dass es nicht genügend Drum-Workshops gibt, nur meist sind die Veranstalter Firmen aus der Musikbranche, die natürlich nur ihre jeweiligen Vertragskünstler einladen. Die Bayerische Musikakademie Marktoberdorf ist unabhängig und kann die Dozenten engagieren, die momentan ganz vorne dabei sind. Das haben auch die Herstellerfirmen von Drumsets und Zubehör erkannt und reisen nun ebenfalls immer zu Rhythm an. Eine kleine Schlagzeugmesse entstand so rund um das Seminar. Schon öfters wurden hier wichtige Kontakte geknüpft und manch einer der internationalen Topstars wechselte den Vertragspartner kurz nach Rhythm. Aber auch die Teilnehmer, größtenteils Schlagzeuglehrer oder Semiprofis, sind wichtige Multiplikatoren und somit eine bedeutende Zielgruppe für die Industrie.
Pädagogisch wertvoll
Auch das pädagogische Konzept von Rhythm ist einmalig: hier bekommen die Studenten an sechs Vormittagen jeweils drei Stunden Unterricht von zwei verschiedenen Dozenten. Nachmittags können sie die Workshops der anderen Dozenten besuchen. Normalerweise sind Trommel-Workshops immer nur ein- bis zweistündige Seminare, in Marktoberdorf haben die Teilnehmer und die Dozenten wirklich die Chance miteinander zu arbeiten.
Legendär kultverdächtig
Neben den Kursinhalten sind die abendlichen Konzerte die nächste Besonderheit. Auch hier gilt: Marktoberdorf ist einzigartig. Geoffrey Cheeseman, Organisator der Rhythm Kurse bis 2005, formuliert es so: „Ein Schlagzeuger ist ein einsamer Mensch.“ Das heißt, es gibt für die Musiker kaum Gelegenheiten sich untereinander kennen zu lernen, geschweige denn miteinander zu spielen, wenn man nicht zufällig beim selben Hersteller unter Vertrag ist. Die Bayerische Musikakademie Marktoberdorf bietet die optimalen Bedingungen für die Trommler: einen technisch perfekt ausgestatteten Saal und mit Arno Jauchmann, der selbst Schlagzeuger ist, einen Tontechniker, der für jeden Künstler alles bestmöglich vorbereitet. Doch so locker die Atmosphäre hier weitab von jeglicher Showindustrie ist: die Künstler sind oft nervöser als bei ihren Auftritten mit den Weltstars der Popwelt. Hier hören schließlich die Kollegen zu und gerade vor denen will man eine Topleistung zeigen. „Du schaust ins Publikum und siehst all deine Idole, die Superstars und willst auf keinen Fall versagen.“ formulierte es ein Künstler vor einigen Jahren, der als Shooting Star der Szene galt. Er hatte damals einen regelrechten Panikanfall vor seinem Auftritt.
Ticks und Macken
Ansonsten sind sie aber meist recht gut zu händeln, meint Andreas Grandl, heutiger Kursorganisator. „Schlagzeuger sind es gewohnt in zweiter Reihe zu stehen. Vorne stehen die Stars wie Phil Collins und Sting, hinten machen die Musiker ihren Job.“ Auffallend abergläubisch seien die Schlagzeuger, meint Geoff Cheeseman. So weigerte sich die Frau von Bill Summers (Drummer von Herbie Hancock und Michael Jackson) zum Beispiel vor einigen Jahren im Marktoberdorfer Schloss zu übernachten. Sie war sich sicher, dass es dort Geister gäbe. „Überhaupt gibt es bei den Schlagzeugern nur zwei Arten von Typen: die einen wollen mit ihren Trommeln die Geister beschwören und die anderen vertreiben.“, stellt Cheeseman schmunzelnd fest. Ein Fall für sich war auch Terry Bozzio, der jahrelang als bester Schlagzeuger der Welt galt und mit Frank Zappa tourte. Der Texaner wollte sich keiner Zeitverschiebung beugen und bestand auf sein Frühstück nachts um ein Uhr… Die beiden Kursorganisatoren sind sich auf jeden Fall einig: Rhythm ist jedes mal wieder spannend und eine Herausforderung und letztendlich auch alle Mühen wert!