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BMR-Referat Laienmusik führt Debatte zur Zukunft des Ehrenamts fort

15.02.2010

Mit einer hochkarätig besetzten Expertenrunde ging am Faschingssamstag unter der Federführung des Bayerischen Musikrats, des Bayerischen Blasmusikverbands und des Kulturforums Deutschland die Fachtagung über die »Zukunft des Ehrenamts im kulturellen Bereich« in die zweite Runde. Anders als zur ersten Fachtagung diskutierten die Experten dieses Mal jedoch „unter sich“. Fazit der Tagung: die angestoßene Debatte soll dazu beitragen, die inhaltliche Entwicklung, die politischen Rahmenbedingungen und die Strukturen zu verbessern. Deshalb ist auch schon für den Herbst die ditte Fachtagung zum Thema geplant, dann wieder mit Publikum. Andreas Horber: „Bis dahin werden auch erste Ergebnisse präsentiert, die in einem weiteren Schritt in verschiedenen Pilotprojekten in die Versuchsphase gehen könnten.“


In der Kooperation von Bayerischer Musikrat, Bayerischer Blasmusikverband und Kulturforum Deutschland wurde bei der ersten Fachtagung Ende Oktober eine Diskussion in Gang gesetzt, die sich laut BMR-Referatsleiter Andreas Horber bereits in mehreren Richtungen in politische Verhandlungen und organisatorische Tätigkeiten gewandelt hat, etwa bei der Künstlersozialkasse oder in der Zusammenarbeit mit der VG Musikedition. Hier wird dem Wunsch der Ehrenamtlichen nach mehr Unterstützung bei der Entbürokratisierung und der Haftungserleichterung Rechnung getragen. Wie Andreas Horber in seinem Impulsreferat betonte, sei dies auch eine der derzeitigen Hauptaufgaben, die die Vereine und Ehrenamtlichen an der Basis den Verantwortlichen nach der ersten Fachtagung gegeben hätten: Neben der qualifizierten Beratung soll auch der Bürokratieabbau vorangetrieben werden und neue Strukturen für das Ehrenamt entwickelt werden. Rege Diskussionen hätten sich bereits im Oktober rund um die Anerkennungskultur des Ehrenamts entsponnen.

Ebenso war es auch bei der zweiten Auflage der Fachtagung. Mit dem Landtagsabgeordneten Oliver Jörg war ein Mitglied der Ausschüsse für Soziales, Familie und Arbeit sowie für Hochschule, Forschung und Kultur anwesend, der aus erster Hand von den derzeitigen Bestrebungen und Projekten zur Anerkennungskultur im Ehrenamt berichten konnte. Die Ehrenamtscard, ein Ehrenamtsnachweis wie auch verschiedene kleinere finanzielle Anreize (wie etwa verbilligter Fahrpreis im öffentlichen Nahverkehr) seien derzeit in der parlamentarischen Diskussion. Entgegen aller Vorschläge rund um Notenverbesserung, Nachlass von Studiengebühren oder sonstigen Vergünstigungen für ehrenamtlich tätige Jugendliche und junge Erwachsene forderte Barbara Haack eine Definition des »Ehren«-Amts. Denn Ehrenamt und Belohung oder Honorierung seien schon per se widersprüchliche Begriffe: »Die Honorierung sollte eher eine gesellschaftliche sein, und keine materielle Entschädigung«. Insgesamt, so lautete der Tenor der Tagung, sollte der »dritte Sektor« wieder der Gesellschaft zugeführt werden.

Dr. Hilmar Sturm hatte zu Beginn der Tagung wissenschaftliche Fakten über das Ehrenamt im Allgemeinen zusammengetragen und prognostiziert, dass das Ehrenamt bis zum Jahr 2050 um über 20 Prozent schrumpfen würde – außer im sozialen Bereich. Zudem sei es für Verbände und Vereine schwierig, fachlich qualifiziertes Personal zu bekommen. Und sehr weit unten auf der Problemliste tauche erst die fehlende Zufriedenheit der Ehrenamtlichen in ihrer Tätigkeit auf. »Dabei könnte es genau daran liegen«, so Dr. Sturm. Außerdem sollten Verbandsstrukturen flexibel gestaltet werden: Zusätzlich zu einem ständigen Vorsitzenden sollte es mehr projektbezogene »Freiwilligenarbeit« geben. Auch die zeitliche Befristung der Funktionen kann dazu führen, dass sich leichter ehrenamtliches Personal finden lässt.

Über projektbezogene Arbeit hatte Clemens Graf von Waldburg-Zeil, im Hauptberuf Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, bereits vor dem Begin der eigentlichen Tagung im Zusammenhang mit dem Haiti-Einsatz seiner Organisation berichtet. Jedoch hatte der Manager auch einen umfangreichen Bericht über die Strukturreform des DRK im Gepäck. Denn die gewachsene Struktur des Roten Kreuzes mit seiner föderalen Struktur aus Orts-, Kreis-, Landesverbänden und dem Bundesverband und der Verzahnung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern befand sich vor einiger Zeit in einer krisenhaften Situation. Graf von Waldburg-Zeil berichtete von seinen strukturellen Reformen auf allen Ebenen, aus denen das Ehrenamt an der Basis gestärkt hervorging, weil es in der »neuen« Struktur mit weniger organisatorischen Aufgaben belastet wurde. Denn, so der Generalsekretär, »die größte Zugkraft am und im Roten Kreuz hat das Ehrenamt an der Basis.«

Die neue, erfolgreiche Struktur des DRK ist ein so genanntes »Top-Down-System«, in dem sich die ehrenamtliche Basis um inhaltliche Belange kümmert, die Organisation und Verwaltung aber von straff organisierten hauptamtlichen Strukturen getragen wird. In vielen Verbänden herrscht jedoch nach wie vor ein »Bottom-Up-System«, in dem wenige einheitliche Richtlinien vorhanden sind.

Der zweite Generalsekretär in der Runde, Alexander Dobrindt (CSU), informierte aus erster Hand über die ehrenamtliche Basis in seiner Partei, die wie alle Parteien mit Mitgliederschwund zu kämpfen habe. In einem Leitbildprozess versuche die Parteiführung jedoch, Menschen an die politische Arbeit heranzuführen, möglicherweise sogar ohne sie mit einer Parteimitgliedschaft zu binden. Die politische Arbeit in der CSU soll also nach den derzeitigen Plänen des Generalsekretärs den Menschen die Möglichkeit geben, sich zeitlich begrenzt in verschiedenen Bereichen zu engagieren – gleichsam als Möglichkeit, eigene Anliegen in die Politik zu kommunizieren.

Barbara Haack, Mitherausgeberin der »Neue Musikzeitung« (nmz) stellte ihr Projekt »Foresight Musik« vor. Die »Foresight«-Methode ist ein gängiges Werkzeug in der Wirtschaft, um verschiedene Zukunftsszenarien durchzuspielen und sich so auf die künftigen Anforderungen besser einstellen zu können. Für den kulturellen Bereich war das Projekt, das mittlerweile beendet ist, eine bislang einmalige Herausforderung. Frau Haack und eine Arbeitsgruppe, der sie angehörte, stellte anhand einer Umfrage verschiedene Zukunftsszenarien auf, die vom besten Fall (dass immer Geld, Interesse und Potenzial für die Kultur vorhanden ist) bis zum »worst Case« (bei dem weder Geld, noch Potenzial noch Interesse vorhanden sind) alles durchgespielt hatte.

Moderator Stefan Liebing betonte, dass die Debatte um die Zukunft des Ehrenamts im kulturellen Bereich vor allem die inhaltliche Entwicklung, die politischen Rahmenbedingungen und die Strukturen verbessern solle. Deshalb werde schon im Herbst erneut eine Fachtagung zum Thema stattfinden, dann wieder mit Publikum. Bis dahin sollen auch erste Ergebnisse präsentiert werden, die in einem weiteren Schritt in verschiedenen Pilotprojekten in die Versuchsphase gehen könnten.

Künftig, so das Fazit der Tagung, solle (als Lehre aus dem Bericht des DRK-Generalsekretärs Clemens Graf von Waldburg-Zeil) mehr Wert auf die inhaltliche Debatte gelegt werden. Sind dann die Inhalte geklärt, kann um das Ziel herum eine sinnvolle Struktur errichtet werden.   
Martin Hommer

Entwickeln Zukunftsstrategien für das Ehrenamt (v.li.): Andreas Horber, Stefan Liebing, Alexander Dobrindt (CSU), Clemens Graf von Waldburg-Zeil, Oliver Jörg, Barbara Haack und Dr. Hilmar Sturm. Foto: Martin Hommer
 
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