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ENDLICH überzeugt - Nachbericht zum Konzert am 2.11. in der Christuskirche München

04.11.2008

Von Alfons Brandl - Mit einem szenischen Chorkonzert unter dem Titel „Endlich“ trat der neu geründete Landesjugendchor unter seinem Leiter Prof. Gerd Guglhör in München erstmals an die Öffentlichkeit. Neben der inhaltlich überzeugenden Zusammenstellung fünf völlig unterschiedlicher Chorwerke, beeindruckte die faszinierende stimmliche Qualität des Chores wie auch die bis ins Detail gestaltete, hochprofessionelle Regiearbeit von Susanne Frey.


Die “letzten Dinge“ standen im Zentrum der Chorwerke, die die jugendlichen Sängerinnen und Sänger meist auswendig zu Gehör brachten. Hugo Distlers „Totentanz“ aus der geistlichen Chormusik op. 12,  angesiedelt zwischen kühler Abstraktion und  plötzlich ausbrechender Emotionalität, wurde stimmlich äußerst homogen, rhythmisch genau und in der Artikulation perfekt wiedergegeben.  Der Chor stand abseits, einzelne Mitglieder des Chores erhoben sich aus dem Publikum in der Darstellung der einzelnen Protagonisten des Totentanzes.  Aus dem „off“ der Kirche ertönten die Stimme des Todes, eindrücklich gestaltet von Münchner Schauspielerin Monika Manz und die eigens für diese Aufführung von Jakob Guglhör komponierten Querflötensoli, wunderbar gespielt von Peter Eberl. Thematisch an den Chorsätzen Distlers orientiert, übertrafen diese wie Improvisationen klingenden instrumentalen Einwürfe jene, die der Komponist selbst als Variationen auf „Es ist ein Schnitter heißt der Tod“ verfasst hatte.

Zur Uraufführung kam dann das „Lamento“, ebenfalls aus der Feder von Jakob Guglhör.  Das bis zu 12-stimmige Stück orientiert sich an skandinavischen Vorbildern, bleibt aber immer originell und emotional.  In angsterfüllter Pose intonierte es der Chor in einer Ecke der Kirchenapsis. Sicher intoniert und wirkungsvoll erklangen dissonanten Klangballungen und die kräftigen Melodielinien im  Bass.
Das zweite zentrale Werk des Abends waren die „Sprüche vom Leben und Tod“ von Leonhard Lechner, interpoliert mit zwei avantgardistischen Flötensoli. Trotz der Größe des Chores verstand es Gerd Guglhör die kurzen Sätze ausgesprochen durchsichtig zu gestalten.  Im Sinne  einer vertieften musikpädagogischen der Arbeit im Landesjugendchor geriet der Zyklus auch in  aufführungspraktischer Hinsicht vorbildlich.
Edward Elgars  Chorwerk „Death on the hills“ aus dem Jahr 1914 bezog nun den ganzen Kirchenraum in die musikalische Gestaltung ein. Zutiefst berührend waren  dabei der Ernst und die Konzentration der  Jugendlichen, die singend am Publikum vorbeizogen und das komplexe Stück in perfekter Intonation und großer dynamischer Breite interpretierten.
Zum Abschluss dann Peter Cornelius Requiem „Seele vergiss sie nicht,  die Toten“. Den Altar umrundend, verströmten die jungen Sängerinnen und Sänger Dichte und Wärme, sattes Fortissimo und frösteln lassendes Pianissimo,  der Schluss, der im Hinsinken und Liegen intoniert wurde, provozierte eine lange Stille, der donnernder und lang anhaltender Applaus aus der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche folgte.
                
Die Zuhörer waren Zeugen eines musikalischen Ereignisses geworden. Wäre die musikalische und stimmliche Leistung des Chores schon beeindruckend für sich gewesen, so ergab die szenische Konzeption (Beleuchtung, Ausstattung Peter Sommerer)  und ihre bis in die letzte Reihe ausstrahlende Wirkung eine Gesamtergebnis, das unerwartet, neuartig und ergreifend war.

Zwei Jahre ist es her, dass der Oberste Bayerische Rechnungshof angeregt hat die von Prof. Kurt Suttner gegründete  Bayerische Singakademie zu reformieren. Nun ist unter der Regie der Bayerischen Musikrat Projekt GmbH die Bayerische Chorakademie entstanden, die den Landesjugendchor und darin integriert eine Singakademie umfasst.  Mit drei Projektwochen und wenigen weiteren Probentagen im Jahr werden zurzeit fünfzig  Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren mit Einzel- und Gruppenstimmbildung, musiktheoretischer Ausbildung, szenischem Unterricht  und intensiver Probenarbeit an eine professionelle Chorarbeit herangeführt.

Das Debütkonzert des bayerischen Landesjugendchores ist ohne Zweifel  gelungen, für das nächste Jahr hat der Leiter des Chores des Bayerischen Rundfunks Peter Dijkstra zugesagt eines der Konzerte als Gastdirigent zu übernehmen. Genauere Informationen über Vorsingtermine,  Konzerte und Programme erhält man unter www.musik-in-bayern.de.                 
Lamento - Uraufführung
Death on the hills
Requiem - Seele, vergiß sie nicht
 
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