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Musizieren im Alter bringt nur Gewinn

30.04.2012

Wer im Alter aktiv musiziert kann nur profitieren. Eine erhöhte Lebensqualität, soziale Kontakte, persönliche Herausforderungen, Sinnerfahrung und Hilfe zur Lebensbewältigung beschreiben die Kernpunkte, die dadurch eine Aufwertung erfahren. Bei allem entscheidend ist die eigene Begeisterung sowie Angebote, die darauf zugeschnitten sind, was der Einzelnen noch leisten kann. „Da sind wir gefordert entsprechende Weichen zu stellen, damit Fachpersonal verfügbar ist, das in den Institutionen, Verbänden und Pflegeeinrichtungen entsprechende Angebote machen kann und dass diese Angebote so angelegt sind, dass jeder, der sie nutzen will auch nutzen kann“, betonte BMR-Präsident Dr. Thomas Goppel am Ende der Arbeitstagung des Bayerischen Musikrats zum Thema „Musik kennt keine (Alters-)Grenzen“. Es war der erste Austausch zwischen Experten und Vertretern von Musikverbänden und Musikinstitutionen in Bayern zu diesem Thema überhaupt.


Dr. Irmgard Schmid, Generalsekretärin des Bayerischen Musikrats, hatte hierzu Experten aus fünf Bundesländern und Vertreter der Mitgliedsverbände des Bayerischen Musikrats sowie aus Politik und Kultur in die Bayerische Musikakademie nach Alteglofsheim eingeladen. In Impulsreferaten, Diskussionsforen und Arbeitskreisen beleuchteten Prof. Dr. Theo Hartogh (Musikpädagoge und Geragogik-Experte), Prof. Dr. Eckart Altenmüller (Neurologe), Prof. Barbara Metzger (Elementare Musikpädagogik) und weitere Fachleute aus unterschiedlichen Blickwinkeln, was Musikgeragogik für den alternden Menschen bedeutet und welche Bildungskonzepte gefordert sind. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, stellte in einem Impulsreferat die Aktivitäten des Deutschen Musikrates zum Thema „Musizieren 50+“ vor und verwies u.a. auf die Wiesbadener Erklärung aus dem Jahr 2007, in welcher der Deutsche Musikrat 12 Forderungen an Politik und Gesellschaft formulierte, um „die Erfahrung mit Musik als elementaren Bestandteil in jedem Alter“ zu ermöglichen. In der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Musikgeragogik – Meinungen, Erkenntnisse und Aussichten“ moderierte Christian Höppner den Expertenaustausch, an dem neben Fachleuten aus dem Musikbereich auch Prof. Dr. Konrad Weckerle, Vorsitzender der CSU-Seniorenunion, und Prof. Dr. Wolfgang Wiegard, Volkswirtschaftler, ehemaliger Wirtschaftsweiser und Gründer zweier Senioren-Rockbands, teilnahmen.

Musikgeragogik ist ein noch junger Begriff und definiert musikalische Bildung im Alter. Gerade weil in diesem Alterssegment die Erwartungen und Möglichkeiten sehr weit gefasst sind, reichen die Angebote vom anspruchsvollen Musizieren in kammermusikalischen Zirkeln über Chor und Orchester bis hin zu musiktherapeutischen Maßnahmen. Praktische Musikausübung ist geeignet, den geistigen Alterungsprozess zu verlangsamen. Menschen mit Demenz ermöglicht sie positives emotionales Erleben.

Anders jedoch als in der elementaren musikpädagogischen Arbeit mit Heranwachsenden erfordert die Musikgeragogik Konzepte, die nach Theo Hartogh „auf der Ermöglichungsdidaktik“ basieren und einen Freiheitsraum entsprechend der individuellen Bedürfnisse des Einzelnen erfordern. Nicht musikalische Späterziehung, sondern auf die Präferenzen des Einzelnen ausgerichtete personenorientierte Modelle sind hier gefragt.

Dass dies zum Teil mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich ist zeigten die Praxismodelle. Vor allem im Bereich der Vokalmusik ist generationenübergreifendes bzw. intergeneratives Musizieren für alle Beteiligten eine große Bereicherung. Das belegte Jürgen Schwarz mit dem Modell „Singen macht Spaß“ im Chorverband Bayerisch-Schwaben und die Intendantin der Hofer Symphoniker Ingrid Schrader mit einem Bildungsprojekt, in welchem Kinder und Senioren zum gemeinsamen Singen zusammengeführt werden. Dass Senioren gerne auch unter sich das Musizieren genießen erlebten die Arbeitstagungsteilnehmer bei den Kurzauftritten von Rentnerrockbands aus einem Projekt, das Bernd Schweinar, Leiter der Bayerischen Musikakademie Alteglofsheim, im Frühjahr dieses Jahres mit Prof. Dr. Wolfgang Wiegard startete, sowie am Beispiel eines Seniorenmusiziertreffens im Nordbayerischen Musikbund, das Ernst Oestreicher vorstellte.

Diesen Bereich der instrumentalen und vokalen Betätigung definierte Barbara Metzger als ersten von vier Sparten an der Schnittstelle von Musikgeragogik und Musikpädagogik. Dazu zähle ferner der Bereich der Ensemblearbeit mit Literatur aus unterschiedlichen Stilrichtungen, die vom Geschmack der Teilnehmer bestimmt würden, der Bereich der elementaren musikpädagogischen Arbeit mit der Ausrichtung auf eine andere Ausgangslage als im Früherziehungsbereich, sowie der musiktherapeutisch orientierte Bereich. Für jedes Einsatzgebiet benötige man speziell ausgebildetes Fachpersonal. Als besonderen Ansporn schloss sie mit dem Hinweis: „Wir alle tun das ja auch für unsere Zukunft“.

In der Schlussrunde fasste Thomas Goppel den Handlungsbedarf zusammen. Man müsse von unten ansetzen, damit zukünftige Generationen zum Musizieren im Alter in der Lage sind. Mit dem Blick auf die heutigen Senioren ist der nächste Schritt, vor allem die Regierungsbezirke als Träger der regionalen Kultur für dieses Thema zu sensibilisieren und im Verbund mit Partnern Angebote zu entwickeln, damit Senioren in das aktive Musizieren eingebunden werden. Für die musikalische Arbeit in der Altenpflege sowie im Heilbereich müssen entsprechende Ausbildungskonzepte entworfen werden, um ein differenziertes und bedarfsgerechtes Angebot zu gewährleisten. „Musikgeragogen sind keine Tabletten“, so der BMR-Präsident abschließend, „können aber viel bewirken!“

Ein Beitrag zum Thema auf BR Klassik
BMR-Präsident Dr. Thomas Goppel im Kreis der Experten (v.li.) mit Prof. Dr. Eckart Altenmüller und Prof. Dr. Theo Hartogh.
 
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